Drachenzeit (1)

Drachenzeit

 

Seit  Äonen flog ich durch das kosmische Geschehen.

Bevor es den ersten Klang gab.

Bevor es Bewusstsein gab.

Bevor es Liebe und Hass gab.

Es gab keinen Namen für uns.

Wir waren - die große Leere.

Wir schliefen und träumten.

Dann sprach eine leise Stimme - und ich hörte.

Sie sang ein leises Lied - und ich spürte.

Die erste Träne entstand - und ich liebte.

Eine zarte Hand berührte mich - und ich fühlte.

 

In mir fühlte ich das Schlagen eines  Rhythmus den ich nicht kannte und ich weinte Ozeane aus Wasser. Versank in ein Meer aus Zufriedenheit und Glück.

 

Der Od hatte mich erreicht und ich war das Od.

 

Ein Funken entsprang aus der Mitte - und da war ich Gestalt. Aus der Gestalt sah ich ihre Augen, tief und innig; und ich vergaß mich wieder in einer anderen Art.

 

Dann ging sie wieder und ich wanderte ihrer Spur hinterher, leise und bedacht. Milliarden von Jahren war ich unterwegs, sah die Gestalten kommen und gehen, jeder auf der  gleiche Suche nach dem Gesang von allem.

 

Ich war nicht mehr allein und ich spürte Glück und Sehnsucht.

 

Dinge formten sich, Orte wurden geboren. Träume entstanden aus dem Od und wurden wahr.

 

Am Himmel entstand Feuer und wir sahen uns an, viele Gestalten aus vielen Ländern aus anderen Horizonten und Ebenen und wir flogen im ewigen Kreis. Wanderte von Land zu Land um wieder zurück zu kehren um uns zu besingen.

 

So verschieden wir waren, doch so nah waren wir uns.

 

Dann traf ich ihn den dunklen Mann mit feurigen Augen, aus schwarzer Flamme geboren . Aus den Lenden des ersten Mannes gezeugt und gereift in der Höhle der Mutter, um auszuziehen und  aus seinem goldenen Mund zu singen. Mut, Kraft und Fleiß war sein Gesang. Seine Zunge die Berge, seine Kehle das Sprachrohr von vielen.

Der Mondgeborene

Als er sang, entsprang in mir die Freude, eine Sehnsucht in mir wurde gestillt und wir sangen über Ebbe und Flut, Frau und Mann, Liebe und Hass, Geburt und Tod.

 

Da wurde uns bewusst wir waren gleich. Er war ich und ich war er.  Der erste Klang den ich empfang, wurde zu Erinnerung.

Die zarte Hand die mich einst berührte.

Der sanfte Klang den meine Ohren empfingen.

Die erste Träne die ich weinte .

…und wir wurden eins, verbanden uns und  fühlten uns unzertrennlich.

 

Viele tausende Jahre wanderten wir und flogen zu ungeahnten Tiefen und Höhen, unsere Schatten folgten uns und verkünden unser Sein.

 

Auf diesen vielen Reisen trafen wir ähnliche, Brüder und Schwestern mit dem gleichen Ziel: ein gemeinsames Feuer zu finden. Es war herrlich in seiner Art.  Es fühlte sich richtig an. Wir waren weder Meister noch Lehrling, wir waren gleich. Viele Schatten flogen uns nach. Wir waren viele im Spiel des kosmischen Seins.

 

In unserem  kindlichen Übermut flogen wir in die tiefsten Täler und sahen einen Turm, gebaut aus Stein und Ton. Ein einsamer König saß auf einem  großen Stuhl, erblickte uns und sang ein Lied der Einsamkeit und Angst.

 

Das Lied der verschollenen Königin.

 

Wir flogen über Seen und Flüsse, über  die höchsten Berge und durch dunkle Gefilde. Das Ohr offen für den Klang der Königin. Wir  fanden sie weinend an einem Teich wo sich der Mond spiegelte.

 

Die Tränen so bitter.

 

Wir baten sie wieder in ihren Turm zu kommen und nahmen sie mit.

 

Der König war glücklich sie wieder bei sich zu haben. Aber ihre Augen waren so leer, ihr Lächeln  war wie aus Eis geformt.

Kinder wurden geboren und wuchsen auf mit unserer Drachenkraft.

Der eine wie sein Vater die anderen wie die Mutter aus Leidenschaft geboren.

Wir feierten das Leben.

 

Doch in einer dunklen Nacht als der Mond nicht erschien, waren ein junger Mann und eine junge Frau in einem seltsamen Klang. Der Klang des Neides und Habgier entfachte sich. Immer mehr sangen diesen Klang der uns nicht behagte, der uns störte im Glück.

Der König schlief immer öfters und wurde schwach und schwächer.

Die Königin immer kälter und kälter.

Der Turm wurde immer dunkler und kälter.

 

Wir zogen aus und als wir wieder kamen veränderte sich der Mondmann. Er stand mit Schild und Schwert vor mir, sein Gesicht verzerrt  vor Wut und Angst.

 

Entschlossen, für mich zu gehen.

 

Die Königin zeigte auf meine Brust und wollte mein Herz  das im gleichen Takt wie das des Mondmannes Herz schlug.

Die Kinder schrien, einige für mich, die anderen für Sie.

Ich ahnte eine Kraft der Vergebung , sah den Mondmann ins Gesicht und bat ihn um eine bestimmte Tat. 

Er erstarrte und seine  Augen wurden schwarz wie die Nacht.

Die Zeit erstarrte  als er sein Schwert hob….

 

 

Auch er wissend, dass es nur diese Tat gab und er versprach mich zu finden wenn das große Feuer entfacht wird. Egal wie lange oder  wie weit, viele Leben hindurch bis zu dieser bestimmten Zeit.

 

 

 

Ich sah meine Brüder und Schwestern in alle Richtungen fliegen in die tiefsten Schluchten zu den höchsten Wolken  und sie webten ein Schleier des Vergessens , wurden zu Bergen und zu Wasser . Nur wenige hielten das Wissen bei sich, über viele Leben hinweg. Sie schlossen ihre Augen und schliefen tief.

 

 

Sein Schwert  berührte mich  an der Brust und ich gab ihn meinen Funken in sein Herz, ganz tief an einen geheimen Ort, den nur der Funke kannte.

 

Dann war … Stille

 

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